Eine Ausstellung der Stubengesellschaft 1599 e. V. Kunstverein Engen
Anlässlich der Ausstellung „Grenzräume“ im Städtischen Museum Engen + Galerie präsentiert die Stubengesellschaft 1599 e.V. das Werk von Michael Marcel Fuchs. Am Bodensee geboren und der Region bis heute verbunden, zog es ihn früh hinaus in die Welt: nach New York, Madrid und Hamburg. Heute lebt und arbeitet er überwiegend in Berlin, mit wiederkehrenden Rückzügen an den Bodensee – zwischen Aufbruch und Ankommen.
Als Reisender kennt Michael Marcel Fuchs die anonymen Landschaften des Unterwegsseins: Flughäfen, Hotels, Bahnhöfe, Einkaufszentren. Orte des Transits, funktional, austauschbar, gesichtslos. Nicht-Orte, die Menschen aufnehmen und wieder entlassen, Orte des Wartens, bevölkert von Durchreisenden mit gesenktem Blick auf das Smartphone – ein provisorischer Halt im weiten Raum der Vereinzelung.
Fuchs, Künstler ebenso wie studierter Ethnologe und Kulturwissenschaftler, interessiert der Mensch in seiner Bewegung durch Raum und Zeit: zwischen Verwurzelung und Aufbruch, zwischen dem Wunsch nach Ankunft, stetigem Wandel und schwebenden Zuständen der Orientierungslosigkeit. Seine aktuelle Malerei ist Ausdruck dieser Auseinandersetzung – gespeist aus Begegnungen, Beobachtungen und inneren Landschaften.
Die Leinwandarbeiten und Objekte von Michael Marcel Fuchs sind zugleich biografische Niederschriften und visuelle Beobachtungsprotokolle. Sie sind doppelbödig angelegt: als zweidimensionale vertikale Linien, überlagert von dreidimensional wirkenden figürlichen Szenen – Menschen, Köpfe, bisweilen Tiere – , die Raum suggerieren und ihn zugleich wieder auflösen. Vorder- und Hintergrund scheinen zunächst voneinander getrennt, doch bei näherer Betrachtung greifen sie ineinander. Die Figurationen bleiben fragmentarisch, offen, unvollendet – und lassen die vertikalen Streifen durch sich hindurchscheinen. So werden sie zugleich Hintergrund und Vordergrund. Die strenge Ordnung der Vertikalen tritt in ein spannungsreiches Verhältnis zur barocken Verspieltheit der figürlichen Elemente. Eine Spannung, die nicht auflöst, sondern trägt: ein Schwebezustand ohne festen Boden, Realität aus der Distanz, die sich beim Näherkommen in Abstraktion verwandelt – ein oszillierendes Spiel aus Schärfe und Unschärfe.
Ergänzt wird die Ausstellung durch die Video-Installation „Transition U.S.D.“, in der sich das Thema des Dazwischen in bewegte Bilder übersetzt. Hier gerät alles in einen kontrollierten Taumel: Reisende, Ankommende und Abfahrende gleiten über Rolltreppen, die an endlose Fließbänder in Geflügelfarmen erinnern – ein Sinnbild für den rhythmisierten, entindividualisierten Verkehr der Körper. Menschen bewegen sich durch Architektur, scheinbar selbstverständlich und logisch. Doch dieser Eindruck trügt. Mit jedem Blick verschieben sich die Perspektiven, kippen Raumachsen, verkehren sich Oben und Unten. Was zunächst vertraut erscheint, entzieht sich bei näherem Hinsehen jeder eindeutigen Orientierung. Die Bildräume folgen einer eigenen, fast unmöglichen Logik und rufen Assoziationen zu den paradoxen Welten eines M. C. Escher hervor. Bewegung wird hier zum Zustand permanenter Übergänge – ein visuelles Schweben zwischen Ordnung und Irritation, zwischen Kontrolle und Verlust derselben.
VITA MICHAEL MARCEL FUCHS
Michael Marcel Fuchs wurde 1960 in Radolfzell am Bodensee geboren. Er studierte von 1983 bis 1987 Malerei an der Freien Kunstschule in Stuttgart und an der Art Students League of New York. Es folgten internationale Ausstellungen und Arbeiten in Ateliers in New York, Hamburg, Berlin und Madrid. Neben seiner Tätigkeit als freischaffender Künstler entwickelte Michael Marcel Fuchs ein starkes Interesse an ethnologischen und soziokulturellen Themen, die bis heute in seine Kunst einfließen und ihn Mitte der 1990er Jahre nach Hamburg führten: Dort absolvierte er das Studium der Kunstgeschichte, Kulturwissenschaften und Ethnologie. Der Fokus seiner Tätigkeit liegt bis heute auf der Malerei. Michael Marcel Fuchs lebt in Berlin und am Bodensee.